Der Atem, die Stimme und das Geräuschekino

Ich bin 5 Jahre alt und stehe im Treppenhaus meiner Großeltern und singe.

Lautstark!


Ich schmettere hohe Töne – wahrscheinlich wie die Königin der Nacht – nur halt nicht so schön!
Aber Spaß hat’s gemacht am Treppengeländer zu hängen und so zu tönen… mit einer Topffrisur und einer dicken Hornbrille im Gesicht…

Meiner Oma Anni hat’s auf jeden Fall gefallen.

Wir springen in eine andere Zeit…


ich bin älter und größer, trage keine Hornbrille und Topffrisur mehr, die Prinz Eisenherz gleicht.

Als ich älter wurde fiel das Singen und Tönen nicht mehr so leicht – angefangen hat es glaube ich mit dem Tanzen.

Ich sollte den Bauch immer schön flach halten – doch wo atmet man denn dann hin, wenn man den Bauch immer schön flach halten soll?

Als ich 21 Jahre und frischgebackene Heilerzieherin war, bereitete ich mich für die Musicalschule vor und gehe zum Gesangsunterricht in Überlingen am Bodensee.

Meine Gesanglehrerin bittet mich, ihr zu sagen wann ich geboren bin und schlägt in einem Buch etwas nach.

Sie sagt: »Du bist ein Fragezeichen!«

Sie erklärt: »Es gibt unterschiedliche Atemtypen. Solare und Lunare Atemtypen. Begründer dieses Denkmodells sind Erich Wilk und Dr. Charlotte Hagena. Die anhand der Sonnen und Mondverhältnisse berechnet haben, als welcher Atemtyp man geboren wird. Aber es gibt zwei bis drei Tage im Monat, an denen man es nicht genau berechnen kann.«

Na dass hätte ich mir ja denken können, dass ich so ein Typ bin, denke ich.

»Probieren wir doch einfach mal aus, was für ein Typ Du bist!«

Ich darf mich entspannt hinlegen, dabei atmen und tönen und bekomme eine kleine Massage dabei. Schön ist dass. Mein Körper und meine Stimme kommen in den Einklang.

Ich töne wie ein Affe, wie ein Gespenst, lache wie ein dicker Mann… und trällere den italienischen Vaccai hoch und runter. Ich fühlte wie meine Stimme schön schwingt in meinem Körper.

Irgendwann besuchte ich einen Workshop bei der Gesangslehrerin von meiner Gesangslehrerin – Eutonie und Stimme.

Wir rollten die Füße mit Tennisbällen, bewegten uns viel und tönten dabei. Alle Stimmen wurden voller.

Nur eben meine nicht!

»Bist Du Dir sicher, dass Du ein lunarer Atemtyp ist?«

»Ich bin ein Fragezeichen«, sagte ich.

»Okay, wir stellen das mal um und schauen was passiert.«

Meine Stimme wurde um das doppelte voller und kräftiger, nachdem ich mit der solaren Atemtechnik arbeitete.

Als ich zu Hause ankam weinte ich – es war als ob ich in meinem Körper nach Hause gekommen war.

Doch weshalb war das so?

Verschiedene äußere Einflüsse lassen uns gern von unserem natürlichen, angeborenen Atemtyp abweichen. Meist passiert das schon von Kindheit an:

  • Immer wenn Du singst dann atmest du mal kräftig ein bevor Du loslegst!
  • Wenn du die 2000m joggst, legst Du Dir einen Kieselstein auf die Zunge, dann atmest Du besser!
  • Immer wenn Du etwas hochhebst dann atmest Du ein!
  • Halte Deinen Bauch immer schön flach und atme in die Brust!

So wird ein natürliches System, dass von der Natur wunderbar organisch organisiert ist, durcheinander gebracht – was im späteren Verlauf zu Atemnot, Panzerungen im Körper, wenig Stimme… führen kann.

Das ist mir passiert. Doch ich habe herausgefunden was für ein Atemtyp ich bin und kann vor allem auch bei Körperarbeit sehr darauf achten, dass mein Atem in Harmonie zu meinem Typ steht.

»Im Atemholen sind zweierlei Gnaden:
Die Luft einziehen, sich ihrer entladen;
jenes bedrängt, dieses erfrischt;
so wunderbar ist das Leben gemischt.
Du danke Gott, wenn er dich preßt,
und dank ihm, wenn er dich wieder entläßt!«

Johann Wolfgang von Goethe
Deutscher Dichter (1749 – 1832)

Ich weiß mittlerweile, wie ich Kraft schöpfen kann, sowohl wenn ich tanze, mich bewege oder klinge.

Laut einer Studentin in der Kindertanzausbildung begleite ich sowieso zumeist jede Bewegung mit meiner Stimme – sie sagte:

»Stefi, Du bist eine Geräuschekino.«


Das finde ich sehr passend – es macht mir einfach Freude Bewegungen mit Sounds zu unterstreichen. Da gibt es unendlich viele Möglichkeiten… ein uiiiiiii voller Freude macht aber allermeisten Freude!

»Tausend Künste kennt der Teufel,
aber singen kann er nicht;
denn Gesang ist ein Bewegen
unsrer Seele nach dem Licht.«

Max Bewer
Deutscher Dichter und Schriftsteller (1861 – 1921)

Am 2. Februar findet die Fortbildung Onomato & Poesie – Stimmbildung und Lautmalereien für (Kindertanz) PädagogInnen statt.
Erlebe wie auch Dein Atem, Deine Stimme und Dein Körper in Einklang kommen und wie Du Effekte und Stimmungen mit Deiner Stimme erzeugen kannst – schau doch gerne mal rein.

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Deine Stefi