Rudolf Laban

Rudolf Laban – © Kunsthaus Zürich – Spezialsammlung Suzanne Perrottet – Katalognummer SP I 93:98

Rudolf von Laban  wurde 1879 in Ungarn geboren und ist 1958 in England gestorben. Er war Tänzer, Choreograph und Tanztheoretiker – ebenso studierte er Musik, Architektur und Kunst.

Als kleiner Junge war Laban bei einem Auftritt von Derwischtänzern¹, dieses Erlebnis prägte Ihn tief – sodass der Tanz und die Bewegung auf Ihn eine lebenslange Faszination hatte. 

Die 1920er Jahre waren wohl eine ganz besondere Zeit.

Rudolf Laban, Rudolf Steiner, C.G. Jung – alle wirkten in dieser Zeit.

Meinem Empfinden nach, ging es um eine Bewußtwerdung des Seins. All diese drei beeindruckenden Männer waren auf der Suche nach neuen Formen der Lebensgestaltung, sodass Körper, Geist, Seele und die kosmische Einheit eins werden.

C.G. Jung überwies einige »Patienten« an Laban’s Schule in Zürich um diese tänzerisch betreuen zu lassen. Ob Laban und Jung sich je zu einem Pläuschchen getroffen haben ist zu vermuten, da beide zeitgleich in Zürich gelebt haben.
C.G. Jungs Studien mit Symbolen, die ins Unterbewusstsein greifen und dass jede Form eine individuelle Bedeutung hat, waren für Laban bestimmt befruchtend, falls sie sich trafen. Dies könnte vielleicht auch die Sichtweise der persönlichen Einzigartigkeit in seiner Arbeit beeinflußt haben ?!

Labans Weltansicht, dass in jeder Bewegung ein Zauber beziehungsweise ein Kristall inne wohnt, hat ihn geprägt die Welt ganzheitlich zu erfahren – den Mensch in all seinen Dimensionen zu erfassen.

Er besaß die beindruckende Fähigkeit besonders gut zu beobachten und wie ein Architekt, tänzerische Bewegung in seinem Umfeld wahrzunehmen und diese zu notieren. Er wurde inspiriert durch besondere Größen wie die Wigman, die er in sein Atelier rufen ließ um mit ihr zu arbeiten. 

Die TänzerInnen ließen sich auf seine Ideen ein und probierten vieles mit ihm aus wie zum Beispiel die Improvisation »Das Lied an die Nacht«.

»Acht oder zehn von uns standen im Kreis, in konzentrierter wartender Haltung.

Dann hob sich ein Gesicht, die Geste eines Armes folgte und eine emotionsgeladene Stimme wurde vernommen. »Die Nacht ist dunkel …«.

Ein zweiter Kopf und Arm bewegten sich, und eine zweite Stimme wurde gehört: »Dunkel ist die Nacht …«.

Dann war eine dritte an der Reihe » … und blau«.

und dann der Chor nach rechts sich bewegend, mezzoforte: »… blaue Nacht«,

und zur Linken piano: » …dunkle Nacht«.

Alle halten still, alle Gesichter und Arme heben sich, pianissimo: » … schön«.

Die Wigman empfand dies als ein »anregendes Tanzerlebnis« und räumte aber ein »wer uns in dieser Improvisation beobachtet hätte, … mit dem Gefühl davongekommen wäre, das wir ein Haufen von Idioten seien.«²

Dieses Beispiel zeigt, wie sehr das Experiment und das Suchen bei Laban im Vordergrund standen. Die begeisterten »Labanesen« hatten Freude am Forschen.
Andere hingegen empfanden diese Suche und das Experimentieren als langweilig und verließen den inneren Zirkel.

Laban wurde inspiriert durch viele Frauen. Suzanne Perrottet gab ihm die Kraft und den Rückhalt seine Ideen zu verwirklichen. Mary Wigman inspirierte ihn auf eine künstlerische Art und Weise, doch war diese Zusammenarbeit durch ihre Expressive Art des Tanzens und  Ihrer Leidenschaft in vielen Fällen hinderlich für seine choreologischen Analysen.

Er hatte viel Kontakt mit seinen ehemaligen Meisterschülern, Geliebten und Kollegen. So schrieben er und Jenny Gertz und Suzanne Perrottet sich viel Briefe, um sich auszutauschen über die eigene Arbeit und das eigene Vorankommen in ihrem Suchen und unterstützten sich gegenseitig in ihren Visionen einer besseren Welt.

Laban wurde zunehmend klarer in seinem Konzept und seiner Notation – seine Tanzschrift hat sich über die Jahre verändert. 

Leider hat er, wie er selbst in seinem Lebensabend feststellte, es versäumt sich die Rechte an seinen eigenen Werken zu sichern. Vielleicht ging er als Freigeist (Monte Veritàs) davon aus, dass das was er geschaffen für alle da ist?!
Sein ursprünglicher Begriff Kinetographie wurde in Labanotation umbenannt.

Beharrlich blieb er an seiner Vision von Tanz, Tanzbeobachtung und Tanzschrift lebenslang treu. Er widmete sich seinen Interessen und fand immer Wege und Möglichkeiten sich emotional, sowie finanziell unterstützen zu lassen.

Labans Vermächtnis geht bis in die heutige Zeit.

In jeder Tanzausbildung wird mit seinen Tanzthemen gearbeitet, selbst wenn die Lehrer oder Studenten gar nicht wissen, dass es sich hierbei um Laban handelt.
Laban kategorisierte den Tanz in 6 Themengebiete, wobei manche Postlaban, weiter erarbeitet worden sind.
Raum, Energie (Antrieb), Form, Körper, Beziehung und Phrasierung.
Leider begegnen mir häufiger amüsante Blicke, wenn ich das Wort Laban sage, denn  die Menschen denken oft an »Ausdruckstanz« und wahrscheinlich hat sich das nackige Tanzen fest in den Gehirnen verankert?!
Laban hat es geschafft eine einheitliche Bewegungssprache für Tänzer und den Tanz zu entwickeln, welche unabhängig von Stilen und Modeerscheinungen ist.
Er gibt uns allen – egal aus welchem Tanzstil wir kommen, Ballett, Jazz-Dance, Modern-Dance, Contemporary-Dance, Stepptanz, Hip-Hop, Vogueing, Lyrical, African Dance, Funky, House, Dancehall, Bauchtanz, Bollywood, Musical, Gaga, … die Möglichkeit einzigartig zu sein und uns frei von Wertung zu verständigen.

 

Laban schenkt uns allen Verbindung, denn wir alle lieben Tanz.

 

Möchtest Du mehr über Laban’s Tanzthemen und seine Motivschrift erfahren?

Dann sei bei der »Tanze wild und frech« – Fortbildung Form oder Energie mit dabei und erlebe wie das Unterrichtsmaterial, welches auf Grundlage der Laban Bartenieff Bewegungsstudien für kleinen und großen Menschen entwickelt wurde, um ganzheitlich in die Welt des Tanzes einzutauchen und Labans Tanzthemen im Tanz, der Bewegung und in der Tanzpädagogik zu fördern.

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Deine Stefi

Fotos Ganz herzlichen Dank an das Kunsthaus Zürich – Spezialsammlung Suzanne Perrottet für die Bereitstellung des Nachlasses von Suzanne Perrottet und Hilfe bei den Recherchen.
Die Bildrechte des Fotomaterials verbleiben im © Kunsthaus Zürich – Spezialsammlung Suzanne Perrottet.
¹ Mündliche Überlieferung von dem lebenden Labanlexikon Antja Kennedy, 2016
² Evelyn Dörr, Rudolf Laban ein Porträt, 2005 Books on Demand GmbH, Norderstedt, S.75